Crema Magazin Espresso Test

Der große „cremagazin“ Espresso Test

Das „crema“ Magazin hat in der letzten Ausgabe zum großen Espresso Test aufgerufen: Die ersten 100 Antworten bekamen die Chance, ein Testpaket mit sechs verschiedenen Espressi zum Test zugesendet zu bekommen – zum Selbstkostenpreis. Ich habe wie gefordert sofort eine Email losgeschickt um zu den ersten 100 zu gehören. Nach einigen Wochen kam dann die Antwort dass die Pakete Anfang Juli an die Teilnehmer gehen. Nun möchte ich mich in keinster Weise als Kaffee-Sensoriker betiteln, oder behaupten dass ich im Stande wäre eine fachliche Beurteilung abzugeben. Hier geht es um einen rein subjektiven Test und eine Verkostung durch die breite Masse – zu der ich ohne Frage gehöre. Ich habe jeden Shot und jedes wahrgenommene Aroma meinem persönlichen Geschmacks beurteilt, und auch wenn ich der einzige bin der in einem der Espressi Lakritz schmeckt oder Marzipan rieht – dann halte ich das nicht zurück sondern werde es hier kund tun.

Die Testumgebung

Die Testumgebung für den Espresso Test

Wie jeder Test setzt auch der Espresso Test gleiche Bedingungen für alle voraus. Gemahlen wurde mit einer ECM Casa, modifiziert auf feinere Mahlgrad-Schritte. Gezogen wurden die Espressi mit einer Bezzera Magica. Das Wasser kommt aus der Leitung, und dank unserer Region und dem tollen Versorger ist keine Filterung dazwischen.

Das Espresso Test Paket

Crema Magazin Espresso Test

Am 9. Juli die Post und der Kaffeebestand im Haus erhöhte sich um 6 x 250g Espresso. Mit im Paket waren neben einem Fragebogen folgende Kaffees:

Der Fragebogen gab mir die Möglichkeit, Noten zwischen 1 und 10 zu vergeben, und zwar für folgende Kategorien:

  • Aussehen: Qualität der Bohne, Bohnenbild
  • Sensorik: Geruch der Bohnen
  • Crema: Dauer, Intensität, Farbe
  • Sensorik: Wie riecht der Espresso
  • Aromen: Vielfalt, Intensität, Nuancen
  • Geschmack: Wie gut trifft der Espresso meinen Geschmack

Natürlich ein sehr subjektiver Test, da so ziemlich alles in der Handhabung freigestellt war. Single- oder Doubleshot war nur eine der vielen Fragen neben dem jeweilig „besten“ und ebenfalls subjektiv empfundenen Rezept. Als Info und kleine Hilfe hatte lediglich van Gülpen ein paar Zeilen auf der Website:

Achtung: Wir rösten diesen Espresso deutlich heller als unseren normalen Espresso. Bei den Microlots geht es uns vor allem darum, die charakteristischen Aromen dieser ganz besonderen Kaffees in den Vordergrund zu stellen, die durch übermäßige Röstaromen nur überdeckt würden. Wir empfehlen daher, die Rezepte für die Zubereitung im Siebträger ein wenig anzupassen. Die Dosierung sollte ungefähr 20 gramm Kaffee für 40 gramm Espresso betragen. Die Bezugstemperatur darf ruhig etwas höher sein als beim „normalen“ Espresso.

Hier habe ich mich dran gehalten um vielleicht einen Hauch von Vergleichbarkeit zu den anderen Testern zu bekommen. Alle anderen Sorten wurden ganz klassisch durch herantasten an die (subjektiv) beste Rezeptur getestet – mehr oder minder erfolgreich.

Die Bohnen – Was steckt in den Tüten bzw. Dosen?

Die ersten Hingucker im Espresso Test Paket waren ohne Frage die Bohnen von Salimbene und van Gülpen. Die Bohnen aus Italien kamen in einer Metalldose daher, die Röster aus Emmerich am Rhein hatten die Tüte in einer Papp-Box aus Naturpapier verstaut. Haptisch und optisch schon mal ein Traum. Die restlichen vier Packungen aus dem Espresso Test Paket waren optisch von „ok“ bis hin zu „ernsthaft?“, aber das sollte ja hier kein Thema sein.

Die Italiener

Als erstes wurden die Bohnen der Italiener unter die Lupe genommen: Salimbene. Nach dem abreißen des Deckels ähnlich wie das öffnen einer Erdnussdose konnte man eine Ähnlichkeit zu selbigen nicht verleugnen. Zumindest was die fettig-glänzende Oberfläche betrifft konnten die Espressobohnen den Erdnüssen so ziemlich das Wasser reichen. Ölig glänzende, sehr sehr dunkel geröstete Bohnen. In einem Facebook Post eines Mitglieds einer Kaffee-Gruppe und auch im Kaffee-Netz wurde dieser Espresso schon ausführlichst kommentiert und besprochen. Scheint wohl Geschmackssache zu sein, ich bin bei Espresso glaube ich bislang eher der nordische Typ, taste mich aber auch hier noch mal ran … Der Geruch der Bohnen bringt auf alle Fälle Röst-Aromen mit sich, sowie Holz- und Tabaknoten. Optisch jedenfalls ein sehr einheitliches Bohnenbild was die Größe der beiden Sorten angeht. Jedoch waren ca 10% der „handvoll“ Testbohnen mit Defekten wie Schalen oder zerfressenen Bohnen versehen.

Der zweite Italiener im Espresso Test: Der Cafésito Espresso Cremissimo. Trotz dem Hinweis „italienische Röstung“ war er im Vergleich zum Salibene Superbar um Welten heller. Was meiner Meinung nach aber auch keine Kunst ist. Viel weniger ölig, nur hier und da gab es ein paar glänzende Stellen. Eine 75/25 Mischung mit schönen Bohnen!

Die helleren Röstungen

Der Pappkarton von van Gülpens Äthiopien Yirgacheffe Aramo Natural Espresso beinhaltete eine schlichte weisse Kunststofftüte. Eine sehr helle Röstung, auch das Mahlgut ist erstaunlich hell. Qualitativ sahen diese Bohnen sehr sauber aus, relativ klein, und wenig Defekte. Der Geruch erinnert fast schon an Früchtetee und einen von Oma gedeckten Kuchentisch mit selbstgebackenen Obstkuchen.

In einer der klassischen Papiertüten steckten 0,25 von 660 Kilo der Jahresgesamternte vom Agua Limpa von Obenauf, die Varietät Catucai 785. Fruchtig, würzig und wenig Bitternoten und diverse urwüchsige Varietäten schreibt der Röster auf seiner Website. Man kann gespannt sein was diese interessante Mischung zu bieten hat. Das Bohnenbild jedenfalls war extrem homogen, sowohl von der Form, der Größe als auch von der Farbe. Das war zumindest schon einmal beeindruckend.

Der Halbstarke von der L-KaffeeRösterei aus Sinzheim, ein 80/20 Blend. Hier erkennt man deutlich dass die Bohnen aus verschiedenen Ernten kommen. Unerschiedliche Formen und Größen finden sich in der Handvoll wieder. Der Einzige Kaffee mit dem Farm-to-Cup Symbol:

farm to cup Besonderheit: „Farm to Cup“ ist für uns das Markenzeichen für einen „Direct-Trade-Kaffee“, bei dem im gesamten Warenfluss nur maximal eine Person (Vermittler) zwischen dem Kaffeebauer und unserer Rösterei steht.
Damit bekommen wir einen genauen Einblick woher oder sogar von welcher Plantage Ihr Kaffee kommt und wie dieser angebaut und verarbeitet wird. In der Auswahl legen wir ein sehr hohes Augenmerk auf die Qualität der Rohkaffee-Bohnen.
Wir finden es ist besser direkt gehandelten Kaffee zu kaufen, denn das ist fair(er) und wirklich nachhaltiger und zukunftsorientierter für alle Beteiligten und letztlich unentbehrlich für die gleichbleibende Kaffeequalität!

Die Kaffee Brasil San Rafael kam wie zu erwarten auch sehr homogen und ohne erkennbare Defekte daher. Beim öffnen der Tüte kam mir ein Schwall CO2 entgegen, ein Blick auf das Röstdatum erklärte es: Die Bohnen waren sicher gerade erst mit ausdampfen fertig geworden. Nachdem der Geruch verflogen war hatte man den Eindruck es sei eine Noisette-Creme in der Tüte verpackt… 

 

Espresso Test – Die Verkostung

Salimbene – Superbar 80/20

Espresso Test Salimbene Superbar

„80/20 Mischung vom neapolitanischen Kaffeeguru Carlo Grenci. Der Blend aus 8 Bohnen Varietäten aus Zentral- und Südamerika, Äthiopien und Indien nimmt keine Gefangenen. Er schießt sofort in den Espressokortex und entfacht eine absolute Fülle an dunklen vollen Aromabomben. Dunkle Schokolade, Tabak, Kandis.“
(aus dem Crema Magazin 03/2015, Beschreibung des Testsiegers Salimbene Superbar)

Der Erste, und dann gleich der dunkelste und öligste. Die im Vorfeld gefundenen Diskussionen im Netz über diese Bohnen stellten mich schon vor dem mahlen vor eine schwere Aufgabe. Krieg ich das hin? Schmeckt mir das nach all den Monaten voller thirdwave Kaffee? Wird er zu bitter sein? Kurz gesagt: Ja, es war schwierig. Dann bin ich im Netz auf ein Video gestoßen, in dem eine Brewratio von 2:1  mit 18g Kaffee gezeigt wurde. Der erste Versuch endete bei 30 Sekunden, und hier war es schon so dass die Aromen aus dem obigen Text zutrafen. Eine sehr schöne dichte Crema, nichts roch oder schmecke verbrannt. Der zweite Versuch bei 25 Sekunden brachte dann einen super Espresso zum Vorschein. Hätte ich beim Anblick  und Geruch der Bohnen nicht gedacht, vor allem nicht weil ich mich mittlerweile auf hellere Röstungen eingelassen habe.

Mein Rezept: 18g in, 36g out in 25-30 sec.

 

van Gülpen – Äthiopien Yirgacheffe Aramo Natural Espresso

Espresso Test Äthiopien Yirgacheffe Aramo Natural

Bei den Filterkaffees zählt Yirgacheffe zu meinen Favoriten. Beim Espresso bin ich mir da noch nicht ganz schlüssig, denn ich glaube dass mir die Kombi ein wenig zu fruchtig ist. Der Kaffee von van Gülpen hat sich hier genau auf der Grenze bewegt, sie nennen Himbeere / Kirsche / Schokolade. Ich empfinde ihn als schon sehr fruchtig, die Säure von Himbeeren kann man deuten. Aber das Ganze war doch auch irgendwie nussig-schokoladig-süß, und ich bilde mir ein Lakritz geschmeckt zu haben. Schmeckt und riecht sehr lecker, hat mich aber nicht komplett umgehauen. Gut im Geschmack, mit haselnussbrauner weicher Crema – ein guter Espresso!

Mein Rezept: Gemäß der Empfehlung des Rösters: 20g in, 40g out in 26 sec.

 

Obenauf – Agua Limpa

Espresso Test Obenauf Agua Limpa

Sehr schöne Crema, Tigerstreifen auf Anhieb – allerdings war der Espresso massig überextrahiert, da beim Mahlgrad gar nix gepasst hat. Also justiert und eingemahlen, bis dann am Ende zwei Rezepte standen zwischen denen ich mich nicht entscheiden kann. Dann aber konnte sich der Espresso immer noch sehen lassen! Haselnuss- bis Erdnussbraune Crema, weich und dick.

Die pulped natural Aufbereitung der lässt sich nicht verleugnen: Von den angepriesenen Aromen kann ich das fruchtig spritzige bestätigen, ob nun Stachelbeere oder nicht mag ich nicht beurteilen. Ich würde die Aromen noch durch Nuss und Vanille ergänzen, insbesondere der Geruch gaukelt vor es seien Amarettini darin aufgelöst: Ein Duft von Mandeln / Marzipan kommt einem entgegen, fast wie in der Weihnachtsbäckerei. Der angekündigte würzige Abgang und die wenigen Bitternoten treffen voll und ganz zu. Ein sehr guter Espresso, wird mit Sicherheit noch mal nachgekauft. Selbst im Cappuccino ein Genuss, die Frau im Haus hat ihn ganz klar als Favoriten benannt.

Der Röster schreibt über die Varietät Catucai 785 dass sie das komplette Potential am besten als Filterkaffee zeigt, aber ob dies auch für die Espressoröstung zählt… Ich werde es einfach mal probieren.

Mein Rezept: 18g in, 50g out bei 27sec oder 17,5g in, 40g out in 25 sec.

 

L-Kaffeerösterei Großer Bruder – Der Halbstarke

Espresso Test Grosser Bruder

Die Tüte mit der Aufschrift „Großer Bruder“ hat mich leider enttäuscht. Die saure Note war nicht weg zu kriegen, und egal wie ich das Rezept geändert habe roch es verbrannt, die Crema verflüchtigte sich schnell und selbst als Cappuccino war er meiner Meinung nach nicht wirklich genießbar. Schade eigentlich, denn nach der Auszeichnung des Testsiegers im crema magazin Mai 2016  hatte ich mir mehr erhofft! Entweder habe ich hier eine schlechte Charge erwischt, mein Geschmack zu differenziert zu dem des Test-Teams, oder ich habe es schlichtweg nicht hinbekommen den Kaffee passend zu extrahieren.

Eines meiner vielen Rezepte bzw. Rezept-Versuche: 19g in, 44g out in 24 sec.

 

 Cafésito – Espresso Cremissimo

Espresso Test Cafesito Cremissimo

Mit 25% Robustaanteil erwartete ich hier „das Pils unter den Testkandidaten“: Es würde wohl etwas herber werden. So war es dann auch, nachdem ich endlich festgestellt habe dass die Bohnen scheinbar recht fein gemahlen werden wollen. Vergleichbare Mahlgrade der anderen Sorten brachten mir in 25 Sekunden eine ratio von mehr als 1:5 ins Glas, das war irgendwie nix. Schlussendlich bin ich dann bei knapp 1:3 gelandet. Auch schon eher aussergewöhnlich, aber geschmacklich ok!

Ein süßer Geruch von Mandel und Haselnuss stieg in die Nase, unterschwellig bilde ich mir ein (Amarena)Kirsche gerochen zu haben. Die Crema war beim finalen Doubleshot dann auch fester und dunkler, im Verlauf der Mahlgradfindung war sie teilweise eher flüssig und sehr weich.
Geschmacklich wie ich finde tatsächlich einer der herberen Kaffees. Sicherlich Geschmacksache, ich muss damit erst noch warm werden.

Mein Rezept: 17g in, 50g out in 30 sec.

Die Kaffee – Brasil San Rafael

Espresso Test Die Kaffee San Rafael

Die Kaffee – Privatrösterei Olga Sabristova. Der Name der Rösterei ist mir natürlich schon ein paar Mal über den Weg gelaufen, aber dass der Name der Inhaberin so präsent ist war mir nicht bewusst. Mit der Info im Hinterkopf ergibt nun auch ihr Instagram Stream sinn, in dem Sie selbst doch sehr häufig zu sehen ist …

Ein Brasilianischer Kaffee, natural processed. Die von mir herausgeschmeckten und gerochenen – insgesamt sehr leichten – Aromen Nuss, Noisette-Vollmilch, leichte Himbeere und ein Hauch Karamell werden beim lesen der Beschreibung durch die Rösterin bestätigt. Das gefällt mir, so langsam sensibilisiere ich meine Geschmacksnerven für die Aromenvielfalt des Kaffees. Zusammen mit Milch kamen im Cappuccino (natürlich ausserhalb der Wertung) pure Schoko-Nuancen zur Geltung. Eine absoulte Empfehlung!

Der Espresso gelang auf Anhieb! Der Geschmack unter der Walnussbraunen, weichen und dichten Crema war direkt so, dass ich gar nicht unbedingt groß weiter suchen musste. Tat ich dennoch, so dass die Tasse final geschmacklich ein wenig voller wurde ohne jedoch einen zu starken Körper zu bekommen.

Mein Rezept: 18,5g in, 50g out in 26 sec.

Fazit

Im großen Espresso Test haben der Agua Limpa und der San Rafael  meinen persönlichen Geschmack bislang am besten getroffen. Allerdings muss erwähnt werden, dass ich noch nicht so routiniert in der Rezeptfindung bin, insbesondere bei den „zickigen“ Röstungen.

Der Salibene Superbar hat geschmacklich im Espresso Test das für mich erstaunlichste Ergebnis erzielt: Ich hätte nie gedacht, dass aus so dunklen, fast schwarz gerösteten Bohnen noch so was leckeres herauskommt.

Der Halbstarke sowie der Cremissimo waren eher nicht mein Fall, wobei der Halbstarke zugegebenermaßen komplett enttäuscht hat.

Bleibt noch der van Gülpen Äthiopien Yirgacheffe Aramo Natural Espresso. Habe ihn als erstes getestet, und bis zum Schluss bin ich mir bei ihm am unschlüssigsten. Sehr sehr fruchtig, ich glaube dass ich für diese Röstung erst noch ein paar Fortschritte machen muss was Aromenvielfalt angeht. Der Feinkostladen im Nachbarhaus führt jedenfalls sämtliche Kaffees von van Gülpen, so dass der Yirgacheffe mit Sicherheit nicht die letzte Röstung aus Emmerich gewesen ist.

Ebenso war der Test eine gute Sache um mich auch mal mit italienischen Espressi zu beschäftigen. Immerhin habe ich vor meiner Zeit als Kaffee-Freak den besten Espresso aus einer uralten Maschine im Centro don Bosco, dem Vereinsheim des italienischen Bürgervereins in Attendorn bekommen. Wie konnte ich den nur vergessen …

Was ist mit Euch?

Habt ihr auch beim Espresso Test mitgemacht? Wie sind Eure Ergebnisse? Vor allem Eure Rezepte interessieren mich, denn für mich ist hier noch nicht das Ende. Ich wette mit anderen Rezepten würde sich auch bei mir die geschmackliche Reihenfolge noch mal ändern.

Also her mit Eurer Meinung, ich freue mich drauf! 

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